08.07.2011



08.07.11 „La simile pintura“, heißt es in einer Canzone des Jacopo da Lentini aus dem 13. Jahrhundert. Das ähnliche Bild. So genannte „Alte“ und so genannte „Neue“ Musik fügten sich bei einem atmosphärischen Konzert der Hofhaymer-Gesellschaft wieder einmal wundersam zusammen.
Von Paul Kornbeck


Herbert Grassl hat zwei Canzonen Lentinis für Vokalensemble, Akkordeon und zwei Schlagzeuger komponiert und nun, drei Jahre nach der auch als CD dokumentierten Uraufführung in seiner Südtiroler Heimat, erstmals in Österreich präsentiert. Die Schlosskirche Mirabell erwies sich wie immer als stimmungsvoller, akustisch tauglicher Rahmen. Grassls Werk lotet die Expressivität der altitalienischen Sprachbilder einer brennenden Liebe mit kraftvoller Klanglichkeit aus. Die zeitlose Qualität der Texte kommt ebenso zum Vorschein wie eine gewisse Grandezza der Sprache. Vor allem schafft es Grassl, am Puls unserer Zeit zu schreiben, ohne den Pulsschlag des Lebens zu vergessen. Bei aller Lust an experimenteller Wortmusik ist es eben doch menschlicher, oft berührender Gesang, der den eigenen Reiz dieses meisterhaft ausgeformten Stils ausmacht.

Konventioneller, aber in seiner Art höchst originell komponiert Grassls Landsmann Hubert Stuppner. Zwar hat er für „Burana Carmina“ für Vokalensemble und Schlagzeug zum Teil andere Texte der berühmten Handschrift aus Benediktbeuern gewählt als Carl Orff, aber im Finale, „In Taberna“, setzt er sich dann doch dem direkten Vergleich aus - und kann mehr als nur ehrenhaft bestehen. Stuppners Handschrift ist weniger effektvoll, dafür nuancenreicher rhythmisch aber ebenfalls zwingend. Ein gleichsam fein gewebtes Trinklied entsteht. Grassl und seine Truppe brachten das Stück erfolgreich zur Uraufführung.

Aki Hashimoto, Bernadette Furch, Bernhard Landauer, Bernd Lambauer und Wilfried Zelinka  waren die allesamt formidablen Vokalsolisten. Karin Küstner am Akkordeon sowie die Schlagzeuger Philipp Lamprecht und Kiril Stoyanov assistierten perfekt. Im Mittelteil des Konzerts gab es geistliche Gesänge der Hildegard von Bingen und aus einem spanischen Codex von 1300 zu hören, mit der nicht nur stilsicher, sondern auch mit bewegender Inbrunst singenden Bernadette Furch und dem akzentuiert begleitenden und mitgestaltenden Duo Enßle-Lamprecht. Der Blockflötistin Anne Suse Enßle und ihrem trommelnden Partner zuzusehen, ist ein ebenso großes Vergnügen, wie ihnen zuzuhören. Da beginnt Musik des Mittelalters geradezu zu „grooven“.

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