PAUL HOFHAYMER GESELLSCHAFT / CINQUECENTO


30.11.11 „Cinquecento“ – das 16. Jahrhundert auf Italienisch - so nennen sich fünf Herren aus fünf Ländern, die Vokalmusik aus der Renaissance interpretieren. Auf die feinste Weise sangen sie die alten Weisen beim Konzert bei der Paul Hofhaymer Gesellschaft in der Schlosskirche Mirabell.
VON PAUL KORNBECK


Terry Wey, Cantus, und – einer Indisposition kaum merkbar trotzend – der Altist Jakob Huppmann, der Tenor Tore Tom Denys, der Bariton Tim Scott Whiteley und der Bassist Ulfried Staber ergeben ein in sich stimmschön stimmiges, transparentes, exakt artikulierendes und bei aller formalen Strenge der alten Polyphonie sinnlich klingendes Ensemble. „Musica invictissima“, unbesiegbare Musik, nennen sie ihr nicht alltägliches Programm mit Stücken der habsburgischen Hofmusiker des 16. Jahrhunderts. Habsburger saßen ja damals nicht nur in Wien und Prag, sondern zum Beispiel auch in Brüssel und Madrid auf Thronen und förderten die schönen Künste - solange sie ihrem Ruhme dienten. Besonders die Musik stand im Zentrum, war doch die kaiserliche Familie selber musikalisch überdurchschnittlich begabt.

Das Ensemble Cinquecento konzentriert sich in diesem Programm auf Komponisten, die im Schatten eines Orlando di Lasso standen und bislang nur Eingeweihten bekannt waren.

All diese alten Meister, viele Niederländer darunter, haben aber höchst niveauvoll die Ehre Gottes und der Fürsten besungen. Philippus de Monte, gebürtig aus Mechelen, starb mit für seine Zeit sagenhaften 83 Jahren als Hofmusiker 1603 in Prag. Der Lütticher Philippe Schöndorff war sein Schüler. Dazu kommen Stücke des auch für die Erzherzöge in Graz tätigen Venezianers Francesco Rovigo, dessen Kollegen und Landsmanns Simone Gatto und des Flamen Jacobus Vaet, Hofkapellmeister Kaiser Maximilians II. Benedictus Ducis fällt insofern aus dem Rahmen, als er aus Konstanz gebürtig und evangelischer Pfarrer in Ulm war, was sich aber in seiner „Missa de Beata Vergine“ nicht mitteilt. Jacob Regnart aus Flandern diente den Habsburgern in Innsbruck und Prag, Johannes de Cleve aus dem deutschen Kleve in Wien und Graz.

Kreative und phantasievolle Madrigalisten und Schöpfer großer Messen waren sie allesamt. Die Cinquecento-Herren bastelten aus den Stücken ein schlüssiges Programm, welchen dem Verlauf der katholischen Messe vom Kyrie bis zum Agnus Dei folgt. Sozusagen eine „Habsburgische Hofmesse“, dreimal kontrastiert von mit Inbrunst vorgetragenen gregorianischen Gesängen. Eine wundersame Konzertstunde im Advent, der nicht einmal die vom Weihnachtsmarkt eindringenden Geräusche viel anhaben konnten – im Gegenteil, helles Mädchenlachen fügte sich schön dazu. Viel Applaus und zur Abwechslung eine englische Zugabe.

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