ORCHESTERHAUS / STADLER QUARTETT


23.12.11 Eine Premiere: die erste Zusammenarbeit zwischen der Internationalen Paul Hofhaymer Gesellschaft und dem Verein der Freunde des Mozarteumorchesters. Das Stadler Quartett fand sein Publikum, auch zwei Tage vor dem Heiligen Abend.
VON HORST REISCHENBÖCK


Geänderte optische und akustische Verhältnisse: Diesmal saßen die Zuhörer auf dem Orchesterpodium, davor die mehrheitlich stehend musizierenden Mitglieder des Stadler Quartetts.

Das Ensemble hat auch „klassisch“ bestens reuissiert, gleich eingangs mit dem Streichquartettsatz in c-Moll D 703, in dem Franz Schubert erstmals Wege auslotete, die er vorher noch nie beschritten hatte. Sie sollten ihn in jene Regionen führen, die seinen Zeitgenossen befremdlich anmuteten. Faszinierend die Kompromisslosigkeit, mit der das Allegro assai von der ersten bis zur letzten Note dramatisch glüht. Gerade wenn es so impulsiv wie durch das vom Konzertmeister des Mozarteumorchesters Frank Stadler geleitet, nach ihm benannten Kleeblatt souverän, zwingend in großem Bogen, vor Ohren geführt wird.

Das Stadler Quartett hat sich längst durch intensive Beschäftigung mit zeitgenössischer Musik international Reputation verschafft. Mit Helmut Lachenmann erarbeiteten sie dessen Quartette und nahmen sie auch auf CD auf. Das dritte, „Grido“, dem Arditti Quartett gewidmet, bezieht sich im Titel auf die Initialen der Vornamen dessen Mitglieder. Italienisch wäre auch „Schrei“ zu vermuten. Allein, dermaßen exponierte Dynamik wird kaum ausgereizt, stattdessen ein Kompendium jeglich nur erdenkbarer Möglichkeiten tonaler Geräusche in ein intensives Stimmengeflecht eingebettet. Nicht ganz so harsch, wie Lachenmann ansonsten. Dessen Nachspüren aber eigentlich auch gar nicht wirklich gedanklich bildhafte Vorstellungen bedingen.

Das reicht dennoch bis an sowohl spieltechnische wie hörbare Grenzen hin, vor denen auch einmal eine Saite des 2. Geigers Izso Bajusz kapitulierte. Bewundernswert, wie trotz der notwendig gewordenen Unterbrechung der übergreifende Faden nicht abriss.

Als abschließend wahrhaft „kapitaler“ Brocken nach der Pause noch Ludwig van Beethoven. Ihm war es, zum Unterschied von Schubert, immerhin vergönnt, sein a-Moll-Opus 132 noch zu Lebzeiten gespielt zu erleben. Gehört haben mag er diesen seinen Vorstoß in damals zuvor genauso kaum zu denken gewagte Extreme wahrscheinlich nur innerlich. Wie beispielsweise die im Trio des Scherzos geforderten höchsten Lagen oder die Dissonanzen im Finale. Peter Sigl stieg am Violoncello fast schon esoterisch ohne Vibrato, behutsam ein. Genauso lotend vertieft ging es auch durch Beethovens weit persönlicher als in seiner vorangegangenen „Missa solemnis“ ausgedrückter Beziehung zu Gott als Danksagung nach Genesung. Bewegend, mitreißend, entsprechend akklamiert.

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