Gekonntes Stückwerk

HOFHAYMER-GESELLSCHAFT / MADRIGALKONZERT


29.10.13 Die Konzerte der Paul Hofhaymer-Gesellschaft bieten immer wieder interessante Einblick in zeitgenössisches Schaffen, verbunden mit Musik der Renaissance, so auch am Montag (28.10.) in der Christuskirche. Schade, dass die Neugier des Publikums sich diesmal in engen Grenzen gehalten hat.
Von Paul Kornbeck


Der Höhepunkt des Konzerts war diesmal freilich der Beginn, nämlich Heinrich Isaacs berührende Trauermotette für Lorenzo de’ Medici. Nach ein paar Minuten alten Klängen war es dann mit diesen vorbei und es folgten 40 Minuten neue. Vorweg: Michael Amanns „Madrigalbuch“ ist extrem schwierig zu interpretieren. Vor den Vorhang: die Sängerinnen und Sänger des „Hofhaymer Ensembles“ Ursula Langmayr, Simone Verlinger, Bernadette Furch, Bernhard Landauer, Bernd Lambauer, Tore Tom Denys und Ulfried Staber sowie deren Dirigent Kai Röhrig. Sie haben die Schwierigkeiten bewältigt, einen Ritt über den Bodensee gewonnen und noch dazu mit klanglichen Schönheiten und exakter Artikulation erfreut.

Der bald 50jährige Vorarlberger Michael Amann kommt aus einer Musikerfamilie, wurde schon mit Preisen überhäuft und legt eine stattliche Anzahl an Kompositionen vor. Der Rezensent erinnert sich an erfreuliche Begegnungen mit diffizil ausgehorchter Kammermusik. An seinem nun uraufgeführten „Madrigalbach“ ist von der Warte der gestrengen Inspektoren und Gutachterinnen der alleinseligmachenden Avantgarde aus sicher nichts auszusetzen. Da „man“ heutzutage nicht mehr am Text, sondern an zertrümmerten Partikeln desselben, unterfuttert mit allerlei Geräuschen, entlang komponiert, bleibt dieses Schicksal auch großer Literatur von Edward Estlin Cummings, Octavio Paz, Rose Ausländer und Paul Verlaine nicht erspart. Ja, so was kann wirken, kann sogar berühren, so man’s kann. Amann kann es handwerklich sehr gut. Und doch bleibt eine große Leere zurück, so angestrengt man auch den zerteilten und gequälten Wörtern lauscht. Alles bleibt immer Stückwerk, bleibt Papier, nur einmal, bei Cummings` „may i feel i said he“, kommt in der ersten, konventionelleren Version ein wenig Zusammenhang auf. Denn Amann hat das Gedicht gleich zweimal vertont, das zweite Mal dann zerstückelt. Alles erklingt in Originalsprache, was ein bisschen Farbe bringt. Die Interludien zwischen den Liedvertonungen sind von diesen kaum zu unterscheiden.

So geht’s halt. Man kann auch bei Beethoven eine Uraufführung bestellen und bekommt „Wellingtons Sieg“. Trotzdem sei das interessierte Publikum energisch darauf hingewiesen, das am 11. November in der Christuskirche die nächste Uraufführung stattfindet (Norbert Sterk) und am 25. November in der Schlosskirche Mirabell die übernächste (Gerald Resch). Neues muss zum Klingen gebracht werden, auch dann, wenn es schnell wieder verklingt. Aber wie wäre sonst das Bleibende zu finden?

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