Poesie in Harmonie

HOFHAYMER GESELLSCHAFT / KONZERT

13/15/14 Durch den Hof von St. Peter, vorbei an den Grüppchen von Salzburg-Besuchern, die in den Stiftskeller strömen, in die Stille des Friedhofs, mitten drin die spätgotische Margarethenkapelle. Viele Meter sind das nicht, und trotzdem führen sie 500 Jahre zurück. Um die „Harmoniae poeticae“ des Paul Hofhaymer zu hören, gibt es wohl kaum einen besseren Ort in Salzburg.

Von Cay Bubendorfer

image004.jpgDem australischen Musikwissenschafter und Historiker Grantley McDonald (der nebenbei auch noch Latinistik und Germanistik studiert und eine Gesangsausbildung absolviert hat) ist es zu danken, dass der dritte Band der Ausgabe sämtlicher Werke von Paul Hofhaymer – der „Oden-Band“ – jetzt druckfrisch und hingebungsvoll bis ins Detail editiert vorliegt. Wie diese „humanistischen Oden“ klingen, die Paul Hofhaymer auf Gedichte von Horaz, Catull, Ovid und Vergil, aber auch auf Verse des frühchristlichen Hymnendichters Prudentius geschrieben hat, das ließ das Hofhaymer Ensemble am Montag (12.5.) hören, in der bis über den letzten Sitzplatz hinaus belegten Margarethenkapelle.

Jeder Lateinschüler erinnert sich an die Quälereien mit x verschiedenen Versmaßen, die sich in Übersetzungsaufgaben als Extra-Hürde türmten. In der Vertonung Hofhaymers dringt der dichterische Rhythmus der lateinischen Sprache so selbstverständlich und sinnfällig ans Ohr, dass man glatt noch einmal mit dem Vokabellernen und den Verbformen anfangen möchte. (Für die Texte im Original samt deutscher Übersetzung im Programmheft ist man dankbar.)

image002.jpgSimone Peßensteiner Vierlinger (Sopran), Bernhard Landauer (Altus), Bernd Lambauer (Tenor) und Colin Mason (Bariton) verschmolzen stimmlich zum homogenen Vierklang wo nötig, und setzten Akzente in ihren Lagen, wenn es um Eindringlichkeit ging. Heribert Metzger an der Orgel und am Regal, und der Lautenist Marc Lewon fügten sich mit-atmend in das Ensemble der Vokalisten ein, stellten die musikalischen Themen vor oder bestritten die instrumentalen Verbindungen zwischen den Strophen.

Horaz widmete seine ersten Buchveröffentlichungen jenem Förderer der Künste Gaius Maecenas, dessen Name zum Gattungsbegriff „Mäzen“ wurde. Die Widmung fasste er zu Zeiten des Augustus in eine Ode, die Paul Hofhaymer rund 1500 Jahre später in Töne übersetzte. Da geht es um Krieger, und Bauern, Seeleute und Jäger; Horaz aber preist sich glücklich, denn: „Mich reiht Efeu, der Preis denkender Stirnen ein in die Himmlischen.“ Und das lässt der Komponist von „Mecoenas atavis“ genauso hören...image003.jpg

Ähnliches Thema, aber vergleichsweise frech und frei ausgelegt dann in der Ode „Beatus ille – glücklich jener“, mit der Horaz die Freiheit des Landlebens fern von urbaner Betriebsamkeit preist. Gesungen – zur schönen Überraschung des Publikums – von Herausgeber Grantley McDonald. Begleitet nur von der Laute kam in seiner schwingend sprechenden Interpretation sogar ein Anklang von sehr alten italienischen Volksweisen auf. Da scheint die Zeit zwischen knapp vor Christus, früher Renaissance und heute tatsächlich relativ.

Umrahmt wurden die sechs humanistischen Hofhaymer-Oden des Konzertprogramms von lateinischen Hymnen und deutschen Liedern von Hofhaymer selbst und seinen Zeitgenossen Heinrich Finck, Gregor Peschin und Rupert Unterholtzer. Gottes Namen und die Minne stehen hier im Mittelpunkt – und ja, man muss es sagen: Die heidnischen Lateiner haben das Leben tendenziell leichtfüßiger besungen. Nicht unerwähnt bleiben darf daher auch das unangekündigte zauberhafte Zwischenspiel von Marc Lewon – zwei Bearbeitungen von Hofhaymers „Ach Liebe mit Leid“, einmal für den „anfahrenden Lautenspieler“ und dann mit hoher Fingerfertigkeit für den „erfahrenen Lautenisten“.

Ausgiebiger Applaus für das Ensemble, Grantley McDonald und Musikwissenschafterin Andrea Lindmayr, die das Projekt Hofhaymer-Edition an der Musikwissenschaft der Uni Salzburg leitet.

Bilder: Cay Bubendorfer

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