Des Mönches Leid und Lust

Die Paul Hofhaymer Gesellschaft widmet sich derzeit einer kontinuierlichen Aufführung der Lieder des Mönchs von Salzburg. Diesmal standen, wie immer mit modernen Kontrasten, in der Christuskirche Liebeslieder am Programm. „I’ priego amor“, das Motto, stammte allerdings aus Italien.

Von Paul Kornbeck

Die Liebesbitte ist ein wundersames Lied des blinden Trecento-Madrigalisten Francesco Landini, eines Zeitgenossen des mysteriösen Mönchs. Auch wenn es sich nicht beweisen lässt – steckte da nicht doch Pilgrim II. dahinter? War es doch er, der anno 1393 die erste Salzburger Hofkapelle ganz nach dem Vorbild der Schule von Notre Dame zu Paris gründete. Deren Einfluss ist auf das mönchische Schaffen ebenso unbestreitbar wie der beachtliche Anteil des Weltlichen, der für einen höhergestellten Geistlichen damals wahrlich kein Problem gewesen ist. Und so erklangen nicht nur Stücke Landinis, sondern auch Guillaume de Machauts Blumenlied „De toutes flours“.
Im Zentrum standen natürlich Gesänge des Mönchs, herrliche musikalische Lyrik für „mein traut gesell“ und ein „allerliebstes frewlein zart“. Der Tenor Bernd Lambauer singt diese Lieder mit stilsicherer Ernsthaftigkeit und poetischem Ausdruck.

Eigentlich sind dies ja alles „Männerlieder“, aber wenn Bernadette Furch mit balsamischem, gleichsam von innen leuchtendem Alt von Liebe und Sehnsucht singt, gewinnt die Musik fast noch mehr Zeitlosigkeit. Geschmack- und stimmungsvoll gelangen auch die Arrangements, gespielt von Philipp Lamprecht, dem Initiator des Projekts, auf der Drehleier und mit allerlei Schlagwerk, von Anne-Suse Enßle auf Blockflöten, Judith Schreyer mit Fidel und Geige sowie David Bader auf Laute und Gitarre. Allesamt sind sie Multi-Instrumentalisten – so greift die Flötistin auch zur Harfe und der Schlagzeuger singt. Gut ausgewogen waren diesmal auch melancholische Stücke und vitale Tanzweisen. André Hinderlich sorgte dazwischen als liebevoller Sprecher für tiefere textliche Einblicke und man kann darüber nachdenken, wie denn wohl wirklich Altfranzösisch geklungen haben mag.

Die beiden Uraufführungen fügten sich besonders harmonisch ins Ganze. Hossam Mahmoud hat mit „Enthüllung“ für Blockflöten magische, bis in Bassregionen führende Klänge geschrieben, ein verzauberndes Stück, das sich immer wieder melodisch verdichtet und die mikrotonale Tradition der arabischen Musik souverän mit sehr eigentümlicher Energie verbindet. Was oder wer hier enthüllt wird, bleibt der Phantasie des Publikums überlassen. Anne-Suse Enßle war die perfekte Interpretin. Deren Vater, Kurt Enßle, ist ein schwäbischer Kirchenmusiker bester alter Schule und ein hörbar der Hindemith-Nachfolge entstammender Komponist. Er interessiert sich aber auch für John Cage und mischt die Töne ein wenig schräg, wenn es „Christe, du bist liecht und der tag“ zu begleiten gilt. So wurde die „geistliche Liebe“ im Kirchenraum denn auch gebührend gewürdigt. Viel Applaus und ein mönchisches Lied voller Lebensfreude als Zugabe, inszeniert, wie eine kleine mittelalterliche Abschiedsymphonie. 

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